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„Bald hüllt Vergessenheit uns ein“

-der Schauspieler und Rezitator Gerd Berghofer spricht am Gymnasium St. Hildegard über die Bücherverbrennungen und ihre Folgen

Wer erinnert sich heute noch an Armin T. Wegner? Armin Theophil Wegner war ein Schriftsteller, der Adolf Hitler trotzte, und 1933 emigrieren musste. Ihm gelang das Überleben. Das war z.B. Erich Mühsam nicht vergönnt, den die Nazis mit unvorstellbaren Methoden folterten und anschließend ermordeten, was man aber als Selbstmord tarnte. Über diese beiden deutschen Dichter und viele andere, die Opfer der Bücherverbrennungen waren, sprach der Schauspieler und Rezitator Gerd Berghofer am 19. März in der vollbesetzten Aula der Schule vor Schülerinnen der Klassen 10 und 11. Die Bücherverbrennungen waren einer der Tiefpunkte der deutschen Geschichte. Ziel der Nazis war es, die geistige Elite Deutschlands auszumerzen und durch eine neue, „gefälligere" zu ersetzen. Die Bücher der entsprechenden Autoren waren damit aus jeder Bibliothek und jeder Buchhandlung verbannt und konnten nur noch im Ausland erworben werden. Auch Erich Kästner stand auf dem Index. Er, so berichtete Berghofer, sei an jenem unsäglichen 10.Mai 1933 selbst in Berlin auf den Opernplatz gekommen, um zu sehen, wie seine Bücher dem Feuer übergeben wurden. Er konnte nicht fliehen, da er seine kranke alte Mutter nicht alleine zurücklassen wollte. An jenem Tag habe es wie aus Kübeln geregnet, vielleicht wollte ja „der Himmel ein Zeichen setzen" gegen das, was in vielen großen deutschen Universitätsstädten vor sich ging, so Berghofer. Man hatte sogar die Feuerwehr herbeigeholt, so erzählt er, – allerdings nicht zum Löschen, sondern um für genügend Benzin-Nachschub zu sorgen, um die Tonnen von Büchern der unerwünschten Dichter in Flammen aufgehen zu lassen.

Mit ausdrucksstarker Stimme, sprachlich präzise, rezitierte Berghofer, dessen Stimme man auch von Hörbüchern kennt, Gedichte der betroffenen Dichter und berichtete plastisch Details aus deren Leben. Am Schluss trug er Hans Sahls Gedicht „Bald hüllt Vergessenheit uns ein" vor. Die Schülerinnen, die bis zuletzt gespannt gelauscht hatten, waren voll des Lobes für diese gelungene Präsentation. „Richtig richtig gut!", kommentierte Jenny aus der zehnten Klasse den Vortrag und sprach damit für viele.

mili

Berghöfer



17.07.2014; 14:41:35 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 1869 mal angesehen.