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Im Gespräch mit Herrn Dr. Thomas Hanstein

13_05_04_Hildegardbote1Die Computer-AG der Grundschule schreibt jeden Monat eine Schülerzeitung, den Hildegardboten. Für die Rubrik "Wir stellen St. Hildegard vor" werden immer Schulpersönlichkeiten befragt. Jüngst wurde der Rektor der Realschule interviewt. Tamara und Katharina aus Klasse 3 überlegten sich Fragen z.B. zu seiner eigenen Schulzeit, zu seinem Lieblingsbibelwort,.... Seine Antworten lesen Sie hier vorab.

 

Bote: Auf welche Grundschule sind Sie gegangen?

Dr. Hanstein: Die Grundschule, die ich besucht habe, gibt es heute leider nicht mehr. Sie bestand aus einem kleinen Schulhaus mit nur einer Klasse pro Jahrgang, im Eichsfeld gelegen. Das ist ein Landkreis zwischen Harz und Thüringer Wald, weshalb ich bis heute wohl auch so naturverbunden bin. Wir hatten einen Schulgarten, in dem ich gern war. Besonders die Zeiten im Freien, auf dem Sportplatz, bei Wandertagen und im Schulgarten, haben mir am besten gefallen. Das war mir schon immer lieber als lange zu sitzen.

 

2013_12_17_dr.hansteinBote: Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis Ihrer eigenen Schulzeit?

Dr. Hanstein: Unsere Musiklehrerin war eine sehr strenge Frau. Sie hat auch immer so getan, als ob sie vor nichts und niemandem Angst hat. So habe ich eines Tages mal meine weiße Maus Max mitgebracht und sie im Klassenzimmer laufen lassen. Seitdem wussten wir, dass auch strenge Musiklehrerinnen Gefühle haben. Frau K. ist zuerst auf den Stuhl gesprungen, dann auf den Tisch. Statt, wie sonst, schön zu singen, hat sie nur noch fürchterlich gequiekt. So sehr, dass mein Max die ganze Woche nicht mehr unter dem Schrank hervorkam. Der hatte wohl noch mehr Angst als Frau K. Übrigens: Ich musste die ganze Woche nicht mehr vorsingen.

 

Bote: Wie kam es dazu, dass Sie Lehrer geworden sind?

Dr. Hanstein: Ich wollte als Jugendlicher Grundschullehrer werden oder Koch in einem guten Restaurant. Deutsch habe ich geliebt, auch das Kochen mit meiner Oma. Beide Berufe waren aber nicht möglich. So habe ich einen technischen Beruf gelernt, später den Meister draufgesetzt und einige Jahre später erst studiert. Im Studium habe ich dann gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, mit anderen jungen Menschen etwas zu erarbeiten. Auch hat man mir immer wieder gesagt, dass ich andere  Menschen gut mitnehmen kann und ihnen gut zuhören kann. Da war der Schritt zum Lehrer nicht mehr weit. Zuerst habe ich an einer Berufsschule und an einem technischen Gymnasium in Sindelfingen unterrichtet. Der Lehrerberuf ist anstrengend, aber auch der schönste, den ich bisher ausgeübt habe. Ja, ich glaube, er gehört zu den schönsten Berufen überhaupt.  

 

Bote: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit als Rektor an der Realschule St. Hildegard?

Dr. Hanstein: Obwohl ich erst Anfang 40 bin, bringe ich Erfahrungen aus mehreren Berufen mit an die Schule. Als Werkzeugmacher, Ausbilder und Meister musste ich sehr genau arbeiten, da kam es auf hundertstel Millimeter an. Als Lehrer und als Seelsorger an einem sehr großen Schulzentrum mit 4000 Schülern hatte ich mit vielen Menschen zu tun. Als Büroleiter habe ich die Verwaltung kennengelernt. Rektor ist so gesehen mein sechster Beruf und ich kann in dieser Verantwortung alle meine anderen Berufe zusammenführen. Das finde ich klasse.

Mir gefällt, dass wir ein Schulzentrum sind. Dass wir von der Grundschule bis hin zum Gymnasium unterrichten. Frau Patzner-Duschler und Herr Jucker sind erfahrene Schulleiterkollegen. Von ihren reichen Erfahrungen was mitzukriegen, das freut mich sehr. Ja, ich glaube, wir sind ein gutes Team. Gemeinsam für DIE moderne Mädchenschule Ulms Verantwortung zu tragen, das ist eine große und lohnenswerte Aufgabe. Auch, weil unsere Schülerinnen und KollegInnen was ganz Besonderes sind.

Eure Anfrage vom Oktober, die Franziskusfigur in eurem schönen Garten zu segnen, hat mich auch sehr gefreut. Wir werden in diesem Schuljahr noch einige Gottesdienste zusammen feiern können. Hier an St. Hildegard auch als Diakon unterwegs zu sein, auch das gefällt mir gut.  

Nach einem viertel Jahr an St. Hildegard kann ich sagen, dass es mir hier sehr gut geht und ich sehr gern hier bin. Ich glaube, ich brauche in den nächsten Jahren keinen weiteren Beruf mehr. :-)

 

Bote: Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Dr. Hanstein: Wir haben drei Kinder (1 Mädchen, 2 Jungen) und ich verbringe meine freie Zeit gern mit der Familie. Im Sommer sind wir viel draußen, schwimmen alle sehr gern, oder fahren Rad. Zurzeit bin ich mit den Großen oft im Kino. Ich jogge gern. Lesen kommt im Moment zu knapp, auch schreibe ich gern selbst kleine Geschichten. Manche handeln vom Schulalltag, also Vorsicht. :-)

 

Bote: Ihr Lieblingsbibelwort?

Dr. Hanstein: Als Diakon predige ich auch ab und zu oder taufe oder verheirate junge Paare. Da habe ich es viel mit Bibelstellen zu tun. Meine eigene Lieblingsstelle ist: „Gottes Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt seine Kraft ganz besonders in dir." Das ist ein Satz, den der Apostel Paulus gesagt hat. Er hatte erfahren, dass ihn Enttäuschungen nicht runterziehen müssen, sondern dass auch in traurigen Momenten Gott spürbar sein kann. Ich glaube, diese Erfahrung ist auch heute sehr wichtig. Paulus ging sogar so weit zu sagen: „Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft Gottes an mir.“ Auch mal schwach und niedergeschlagen zu sein, heißt nicht, dass wir weniger geliebt und weniger wert sind. Manchmal ganz im Gegenteil. Es gehört zum Menschsein dazu. Dadurch können wir viel von uns selbst lernen.

 

Bote: Was ist Ihr schönstes Hildegard-Erlebnis?

Dr. Hanstein: Noch bevor ich mich für St. Hildegard entschieden habe, habe ich immer mehr Menschen getroffen, die hier waren. Meist als Schülerinnen. Die Mutter eines Mädchens, das ich in Tübingen getauft habe, ist zum Beispiel eine ehemalige Schülerin. Da die Familie wieder nach Ulm ziehen will, hat mich die Mutter gleich nach der Taufe gebeten dafür zu sorgen, dass ihre jetzt gerade ein halbes Jahr alte Tochter später zu euch an die Grundschule kommen kann. Und wenige Wochen später habe ich eine über hundert Jahre alte Frau kennengelernt, die im Jahr 1925 - kein Schreibfehler - ihren Abschluss hier gemacht hat. Genau in dieser langen Kette von Menschen stehen wir, ihr wie ich. Das ist doch etwas ganz Großartiges!

Bote: Herzlichen Dank für das Interview.

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24.01.2014; 15:38:42 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 4761 mal angesehen.