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Sinas Auftakt und erster Fight!


Physik-Weltcup IYPT: Auftakt gegen starkes Russland

Thailand mag pfiffige Schüler mit Stärken in Physik. Nicht anders lässt sich erklären, dass in der Stadt Nakhon Ratchasima ganze Straßen von Flaggen zum 28. International Young Physicists' Tournament, dem kurz IYPT genannten Physik-Weltcup, gesäumt sind. Bei über 30 Grad feuchter Schwüle haben Teams aus 27 Staaten von allen Kontinenten bis spät in die Nacht den Weg nach Khorat, wie die Stadt kürzer genannt wird, gefunden. Ausschlafen und am Pool liegen ist hier jedoch nicht angesagt. Denn schon früh am Morgen begann der Wettbewerb im großen Hörsaal der Suranaree University of Technology.
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Parallel zur Flaggenparade schaute das deutsche Team mit Jonas Landgraf aus Weiden, der Auslosung für die insgesamt fünf Wettkampfrunden entgegen. Russland und Thailand entpuppten sich als die ersten Gegner. „Ausgerechnet Russland, die waren vergangenes Jahr knapp besser als wir", erinnert sich Jonas, der sich für Khorat zum zweiten Mal einen Platz in der Physik-Nationalmannschaft gesichert hat.

Erster Wettkampf gegen Thailand und Russland

Gleich in der ersten Runde des Wettkampfs werden sich Russen und Deutsche schnell einig. „Wet and dark" - „Nass und dunkel" hieß das Thema. Die Russen trugen vor, warum nasse Kleidung dunkler erscheint als trockene. Carina Kanitz vom deutschen Team war der nur auf den ersten Blick schlüssige Vortrag nicht genug. Mit Sachkenntnis und feinem Gespür offenbarte sie die Schwachstellen in der Präsentation der Russen. „Das war nicht so schwer", sagt sie, „denn ich habe gesehen, dass Pavel das Problem nicht völlig verstanden hatte." Mit diesem Wissen hat sie die Diskussion beherrscht, ließ sich nicht provozieren und überzeugte letztlich auch die Jury.

Jonas Landgrafs Formeln zur gezwirbelten Angelschnur

Im zweiten Durchlauf tauschten die Teams ihre Rollen einmal durch. Nun lag es an Jonas Landgraf, die Physik hinter einem „künstlichen Muskel" aus einer Angelschnur aus Kunststoff zu erläutern. Mit fundierten Theorien aus aktueller Fachliteratur erfasste er das Thema. Der Weidener erklärte ein Experiment, bei dem er die Angelschnur aufzwirbelte und mit heißer Luft in der Spiralstruktur fixierte. Mit seinen Formeln und Versuchen konnte er zeigen, warum sich die in einer Spirale verdrehte Schnur bei Hitze zusammen zieht. Allein konnten nicht alle – weder die Kritiker des Teams Thailands noch einzelne Jurymitglieder seinen pfiffigen Erklärungen folgen. „Offenbar habe ich das Thema zu komplex und umfassend erklärt", sagt er mit Seitenblick auf die Jury, von deren Bereitschaft für ungewöhnliche Ansätze er sich mehr versprochen hatte. Aber Wettkampf ist Wettkampf und die Jury entscheidet. So sicherte Jonas dem deutschen Team noch gute 5,4 Punkte im Durchschnitt.

Mut fassen im dritten Durchgang und Sinas Erfolg

Etwas niedergeschlagen, aber längst nicht entmutigt folgt nach nur zehn Minuten Pause der dritte und letzte Durchgang des Tages. Das deutsche Team spielte nun die Rolle des Reviewers, der sowohl Vortragenden als auch Kritiker auf Diskussionsstil und fachliche Kompetenz hin beurteilen musste. Das Thema: Die Flugbahn eines rotierenden Zylinders aus zwei Plastikbechern. Tapfer zeigte der Thailänder Panithan Jeerasuwannakul Experiment, Video und Grafiken. Diese Vorlage mit Schwächen auf beiden Seiten – Reporter und Kritiker – kam Sina Hartung gerade recht. Trotz deutlich kürzerer Redezeit legte sie ihren Finger in die Wunde mäßiger Argumente. Vor allem das thailändische Team litt unter Sinas Analyse, die die Schwächen des russischen Teams etwas vernachlässigte. Sina in ihrer Rolle als würdige „Kapitänin" des deutschen Teams erhielt von der Jury dreimal die hohe Wertung acht und zweimal sieben.

Mit einem kleinen Wermutstropfen endete so der erste Wettkampftag dennoch erfolgreich für das deutsche Team. Im direkten Vergleich mit Russland und Thailand liegt Sinas Gruppe deutlich vorne. Und unterm Strich nach allen Wettkämpfen aller 27 Teams steht das deutsche Team nun auf Platz sieben. Eine gute Basis, um in den noch kommenden vier Wettkampfrunden sich weiter nach oben zu arbeiten.

Müde und hungrig genossen alle Teams vereint noch ein typisches Thai-Buffet. Und einige kamen am Abend doch noch auf ihre Kosten: Zurück im Weltcup-Hotel tummelten sich die Kontrahenten des Tages gemeinsam im Schwimmbad und ließen die Hitze des Tages und des ersten Gefechts hinter sich.

Jan Oliver Löfken



20.09.2015; 19:34:03 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 2033 mal angesehen.