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Welcome to the jungle – Sina auf der Suche nach Elefanten

Physik-Weltcup IYPT

Am vierten Wettkampftag haben sich alle fünf deutschen Jungphysiker mit Team-Kapitänin Sina Hartung aus Ulm noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Es galt, sich von Platz 10 in die vorderen Medaillenränge zu schieben. Nach den Vorrunden in den Finalkampf um den ersten Platz und die Goldmedaille zu gelangen, war, vor allem wegen der Stärke des Teams aus Singapur, leider kein realistisches Ziel mehr.

Mit Iran und Macao traf Sinas Team auf Gegner, die nach den bisherigen Vorkämpfen auf eher hinteren Plätzen rangierten. Doch war das kein Grund, an Elan nachzulassen. Denn es geht beim Physik-Weltcup um die absolute Punktzahl und nicht nur um einen Sieg in der jeweiligen Dreier-Wettkampfrunde. Dies beherzigte Sina und fasste in ihrer Aufgabe als „Reviewerin" die nicht allzu überzeugende Erklärung von Jingy Xie aus Macao mit viel Kritik zusammen. Zufrieden zeigte sich Sina mit dem Vortrag über den Luftstrom zwischen zwei miteinander verbundene Ballons nicht. Doch auch die Gegenrede der Iraner konnte sie nicht begeistern. So fügte Sina ihrer Zusammenfassung noch eigene Ergebnisse zu dem Verhalten der Ballons hinzu. Die Jury belohnte dieses Engagement mit 6,3 Punkten, Iran und Macao erhielten 5 und 4,9 Punkte.

Auch aus den beiden anderen Wettkämpfen dieses Tages konnte das deutsche Team klar als Sieger hervorgehen. „Unser Team hat dabei klasse zusammengehalten", sagt Sina. Ob die gewonnenen Punkte jedoch reichen werden, um eine Medaille zu gewinnen? Allein für Ungeduld und zitterndes Abwarten bleibt nicht allzu viel Zeit. Denn die thailändischen Gastgeber, die den Physik-Weltcup bis ins Detail perfekt organisiert haben, bieten willkommene Abwechslung. Mit Polizeieskorte fährt die Kolonne der mehr als 30 Minibusse an allen Staus vorbei zum Geschichtspark Phimai. „Nun können wir endlich mal normal leben und die Freizeit genießen", sagt Dominika Stronczek aus Hamburg.
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Der Tempelbezirk von Phimai ist ein Höhepunkt jeder Thailandreise. Im gleichen Stil des Weltkulturerbes Angkor Wat im benachbarten Kambodscha ragen die grandiosen Tempelbauten in die Höhe. Der wesentliche Unterschied: Die Weltcup-Teilnehmer genießen die sehr gut erhaltenen steinernen Ruinen exklusiv ohne weitere Touristenscharen. „Das war schon beeindruckend", sagt Ann-Kathrin Raab aus Rosenheim. „Ich hätte nicht erwartet, dass die Gastgeber so einen rieseigen Aufwand für uns treiben."

Ohne hindernde Absperrungen kraxelten die Jungphysiker durch die historische Anlage aus dem 13. Jahrhundert. „Es war lustig, dass wir im Tempel überall hinlaufen und alles anfassen konnten", sagt Carina Kanitz aus Erlangen. Im hellem Vollmondlicht luden die Gastgeber im Schatten des Tempels zum feierlichen Bankett, natürlich wieder mit teilweise scharfem thailändischen Essen. Gut 100 Künstler boten eine Tanzshow, die seinesgleichen sucht. „Zur Begrüßung verbeugten sie sich, als wären wir Könige", sagt Dominika „Da fühlt man sich gleich schon besser." Langsam sickerte die Information durch, dass eine solche Show nur ein einziges Mal pro Jahr stattfinden dürfe. Mit einer Ausnahme: Für die weit gereisten Gäste des IYPT-Physik-Weltcup. So wird dieses einzigartige Erlebnis wohl niemand aus den 27 teilnehmenden Staaten so schnell vergessen.

Wer nun aber geglaubt hatte, dass die thailändischen Organisatoren damit ihr Pulver verschossen hätten, irrt gewaltig. Am nächsten Tag ging es am frühen Morgen, gewappnet mit Sonnenmilch und Insektenspray, in den Dschungel von Khao Yai. In den Hügeln des berühmten Nationalparks leben Elefanten, Büffel, Affen und seltene Vögel. „Es war schon angenehm, dass uns keine Mückenschwärme aufgefressen haben", sagt Sina. Immerhin ging es auf einer mehrstündigen Dschungelwanderung durch Regenwald, über Lichtungen mit mannshohem Gras und entlang kleiner Seen. „Endlich haben wir mal etwas von der tollen Landschaft gesehen", sagt Jonas Landgraf aus Weiden. Die Tiere konnten die Jungphysiker jedoch nur hören, blicken ließen sie sich mit Ausnahme einiger Affen jedoch nicht. Kein Wunder eigentlich, wenn 500 junge Menschen – intensiv miteinander nicht nur über Physik plaudernd – im Gänsemarsch drei Stunden durch die tropische Landschaft laufen. „Es war dennoch ein tolles Erlebnis, nur leider viel zu kurz", sagt Sina.

Während dieser faszinierenden Ausflüge hatten die Weltcup-Organisatoren das abschließende Ergebnis nach den fünf Vorrunden errechnet. „Wir haben es grad noch so in die Medaillenränge geschafft", sagt Sina. Bronze ist es dieses Jahr geworden. Wegen des insgesamt sehr hohen Niveaus des Wettkampfs waren die deutschen Jungphysiker erst erleichtert und dann doch auch zufrieden. „Weniger wäre schon peinlich gewesen", gibt Jonas Landgraf zu. Alle Fünf freuen sich dennoch auf das kommende Finale. Singapur, Polen und China werden am allerletzten Wettkampftag gegeneinander antreten und um den Sieg des IYPT-Physik-Weltcups 2015 ringen.

Jan-Oliver Löfken



03.07.2015; 17:14:18 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 2106 mal angesehen.