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Mit der Brennstoffzelle durchs Klassenzimmer

Daimler-Ingenieure begeistern über das Programm „tech@school“ Schülerinnen des St.-Hildegard-Gymnasiums für Technik

„Wer von euch ist heute Morgen zu Fuß zur Schule gekommen?“ Mit dieser Frage beginnt Alfred Haug, Ingenieur und Teamleiter im Bereich Konstruktion bei der Daimler AG, seinen Besuch im St.-Hildegard-Gymnasium. Er und seine Kollegin Frau Dr. Viktoria Frick, Entwicklungsingenieurin, sind nach Ulm gekommen, um hier an zwei Vormittagen über alternative Antriebe zu informieren und gleichzeitig – vor allem bei den Mädchen- für den Ingenieur-Beruf zu werben. Initiiert wurde der Besuch von Studiendirektorin Sibylle Vogt, die Klasse 9b nahm mit ihrer NwT (Naturwissenschaft und Technik)-Lehrerin Annemarie Schubach am Projekt teil. Dort wird im Unterricht gerade das Thema Licht und Farbe / Licht und Energie besprochen, und so kam dieses Projekt gerade passend.

Und die Schülerinnen, die fast ausschließlich per Auto oder Bus zum Unterricht fahren, verstehen den Hintergrund der Eingangs-Frage schnell: das mobile Leben hat seinen Preis- das Auto und der Bus müssen betankt werden, der klassische Verbrennungs-Motor hat einen hohen Schadstoff-Ausstoß und die Ressourcen sind endlich.

Es gilt also, künftig effektive und extrem umweltfreundliche neue Antriebstechniken zu entwickeln, „grüne Technologien“ sind gefragt. Wird vielleicht die Kombination aus Wasserstoffantrieb und Elektromotor die Antriebstechnik der Zukunft sein?

Die Aufgabe der beiden Referenten ist es nun, der Klasse den Bauplan eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs zu erklären, und Haug ist ganz erstaunt und erfreut darüber, dass die Mädchen mit großem Eifer an die Arbeit gehen und durch viele Fragen zeigen, dass das Thema sie fesselt.

Am zweiten Tag geht es nach der Theorie dann in die Praxis. Wie funktioniert so eine Brennstoffzelle, und wie effektiv ist sie im Vergleich zu anderen alternativen Energien? Gezeigt wird dies am Beispiel kleiner Miniatur-Autos.

„Vorsicht, damit nichts tropft!“, ruft Lena, 15, die die Speicherzylinder des Elektrolyseurs zunächst mit destilliertem Wasser füllt. Jetzt wird über eine Solarzelle Strom erzeugt, die entstehenden Gase, Wasserstoff und Sauerstoff, reagieren in der Brennstoffzelle, es entsteht Elektrizität. „Wir haben Wasserstoff!“, ruft Anna (15), „das Auto läuft!“, freut sich Charlotte (15), und tatsächlich, das kleine blaue Auto rollt über den glatten Boden des Physik-Saals, alle strahlen.

„Kann ich denn bei Ihnen mal ein Praktikum machen?“, fragt Lena, die das Projekt sichtlich begeistert, Alfred Haug. Der bejaht ihre Frage und bietet schlussendlich noch eine Fahrt in einem echten Brennstoffzellen-Auto an. Die beiden Ingenieure haben eine Mercedes-B-Klasse F-CELL mitgebracht, in der eine Brennstoffzelle als Energiewandler dient. Das Auto fährt „wie gewohnt“, die mitfahrenden Schülerinnen sind erstaunt darüber, tatsächlich kein Fahrgeräusch zu hören.

„So ist Physik einfach spannend“, resümiert Sina (15), und Schulleiter Karl Jucker bedankt sich bei den Referenten mit Wein und Blumen. „Richtig toll war das“, sagt Linda, ebenfalls 15 Jahre alt. Schule und Wirtschaft sind eben gute Partner.

 

Ruth Milinski



16.11.2012; 14:47:48 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 2003 mal angesehen.