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Studienfahrt 2011 nach Rom

Nebel kroch am Turm des Münsters hoch und die letzten Nachtschwärmer Ulms fanden ihre Bettruhe, als sich in den frühen Morgenstunden des 18. Septembers 2011 ein Bus mit 40 St. Hildegard-Schülerinnen der Abschlussklasse, sowie den begleiteten Lehrern Fr. Walz, Fr. Weiß, Hr. Bieg und Hr. Mühlen auf den Weg in die ewige Stadt machte. Vier Lehrer? Nun ja, sagen wir der eine oder andere bevorzugte es, vom Himmel herab in Rom einzutreffen ganz nach dem Motto – I believe I can fly. Nach einer 12-stündigen Fahrt, die uns dank intensiver Vorbereitungszeit (o. k. wenigstens ein paar hatten sich die gefühlten 500 Blätter und 40 empfohlenen Bücher zumindest einmal angeschaut) mit Referaten über die ersten Christen, Bunga-Bunga und römische Esskultur (man bemerke hierbei die Mischung), Filmen und Opernmusik (ja es gibt tatsächlich Busfahrer mit einer Schwäche für fast vergessene Opern) versüßt wurde, kamen wir schließlich am späten Abend in Rom an. Doch das dolce vita ließ noch auf sich warten, denn der Hotel-Schock, den wir erlitten, musste erst verdaut werden, und wir stellten sehr schnell fest: Nichts war’s mit Forget about your boyfriend (andmeetmeatthehotelroom).

So begann unsere Reise und somit auch unsere entstehende Liebe zu Rom erst am Montagmorgen, den wir damit verbachten, die Kuppel des Petersdoms hoch und unzählige Stufen wieder hinab zu steigen. Doch die Blasen und die Schweißflecken auf der eigens für den Vatikan gebastelten „Knie-und-Schulter-mit-einem-Tuch-verhüllen-und-trotzdem-noch-gut-aussehen“-Konstruktion (die sich bei den meisten sowieso bei jedem Schritt löste) waren mehr als lohnenswert - der unvergessliche Anblick, der sich uns bot, gab einen ersten Impuls für die Schönheit der Stadt, und immerhin konnten wir nun behaupten, ganz Rom läge und zu Füßen. Nach anschließender Besichtigung des Doms sammelten sich die einzelnen Grüppchen langsam (dem Hungertode nahe) auf dem Petersplatz. Doch unsere Einsamkeit währte nicht lange. Wir wurden zum wahrscheinlich beliebtesten Fotomotiv des Vatikans. So posierten wir im Wissen uns bald in dreißig japanischen Reisealben wieder zu finden - vor den Heiligtümern Roms – Germany’s next Topmodel, wir kommen! Endlich ging es Richtung Campo de’ Fiori, um Mittagspause zu machen und den ersten italienischen Cappuccino zu genießen.

Als es mit dem Programm weitergehen sollte, bemerkten wir: Pünktlichkeit hatten unsere lieben Lehrer uns beigebracht, aber wo waren diese? ..... Den Nachmittag verbrachten wir in zwei Gruppen aufgeteilt mit einer Brunnern-Tour, wobei das Highlight ganz klar der Trevi-Brunnen bildete. Je nach Gemütszustand, oder sagen wir einmal Beziehungsstatus warfen wir die Anzahl von Münzen in den Brunnen, die uns versprach nach Rom zurück zu kehren, uns in einen bello italiano zu verlieben, oder gar unseren Liebsten zu heiraten. Dass wir dabei erfuhren, wie viel unsere Lehrer mehr über unser privates (Liebes)leben wissen als wir über Bruchrechnen und dass Rom mehr Brunnen und historische Plätze als Einwohner hat, ließ uns aufhorchen. Auch lernten wir schon am ersten Tag (einige schmerzlich mit Zusatzkilometern): in Rom kann man sich sehr leicht verlaufen, doch das Wandern ist des Mühlens Lust… Il Signore führte seine 20er Gruppe komplett einmal im Kreis herum, während wir anderen schon gemütlich unser Eis leckten.

Nachdem schließlich doch noch alle den Weg zurück ins Hotel gefunden hatten, ging es auch schon wieder los. Wir nahmen den Zug Richtung Frascati in die Weinberge zum Abendessen, oder sagen wir besser zur Weinprobe. Dass der Rückweg zu später Stunde munter über die Gleise laufend, ganz der italienischen Art entsprechend, „Auf der Schwäb’schen Eisenbahn“ singend erfolgte, ist eines der zahlreichen Details, die lieber den Beteiligten vorenthalten bleiben.

Dienstag widmeten wir uns ganz der Antike und der Kunst in der Villa Borghese, in der die Lateiner unter uns feststellten, dass die unzähligen Übersetzungen sich endlich gelohnt hatten: unnützes Wissen komm zutage, lass mich mit dir prahlen. Der Nachmittag gehörte dem Kapitol und dem Forum Romanum, das wir mit unserer Führerin Frau Dr. Langer genossen. Von ihr lernten wir vor allem (übrigens ein sehr heißer Tipp für die nächste Geschichtsklausur): alles was mit Rom zu tun hat 100 n. Chr. einordnen (+/- 50, das wollen wir nicht so eng sehen) - und wir können theoretisch eine Doktorarbeit über römische Geschichte abfassen.

Nach Triumphbögen, Tempeln, dem Kolosseum und vor allem einer Menge Ruinen, ging es nach dem Abendessen zum nächtlichen Spaziergang durch Rom. Die eine oder andere verliebte sich in dieser Nacht in einen schöner Römer, ähm römischen Platz, denn der Schimmer, den die Nacht über die Stadt warf, gab allem etwas Magisches.

Am nächsten Morgen war die Devise „Rom nach eigenem gusto“. Die einzige Bedingung: kulturell muss es sein, aber DAS fällt in einer solchen Stadt nun wirklich nicht schwer. Einige Gruppen litten unter Orientierungsschwierigkeiten, hervorgerufen durch Rechts-Links-Probleme aber letztendlich kann man doch sagen- Roma, I did it my way. Am Nachmittag genossen wir das Leben wir die altrömische Oberschicht in der Villa d’Este, einem Anwesen außerhalb Roms (in Tivoli) mit musizierenden Brunnen und wunderschönen Gartenanlagen.

Nach dem Abendessen schwärmten wir in das römische Nachtleben aus, machten Studentenpartys unsicher, tranken hier und da einen Cocktail oder genossen das dolce far niente an der Spanischen Treppe - Welcome to St. To.. ROMA!

Doch was wäre eine Hildegard-Fahrt ohne einen Gottesdienst? So fanden wir uns am Donnerstag zum Morgengebet in Santa Prassede ein, von wo wir eine Kirchentour quer durch Rom starteten. Den Nachmittag verbrachten wir je nach Geschmack in den Katakomben, den Kapitolinischen Museen (einem wahren Zungenbrecher) oder dem MaXXI, dem Museum für Kunst des XXI. Jahrhunderts. Was das MaXXI angeht, muss gesagt werden, dass alleine für diesen Besuch es sich lohnt, nach Rom zu reisen. Für uns bot sich an diesem Nachmittag eine tolle Abwechslung zu antiken, kopflosen Statuen und prähistorischen Eindrücken. Nicht nur die Kunstbegeisterten kamen beeindruckt aus diesem modernen Monument, das von der englisch-irakischen Architektin Zaha Hadid entworfen wurde und erst letztes Jahr seine Pforten öffnete, und wir führten noch zahlreiche Gespräche über unsere neu gewonnenen Eindrücke. In kleinen Gruppen schlenderten wir je nach Lust und Laune noch ein wenig durch die Innenstadt, tranken an der Bar Espresso, oder genossen das wundervolle Wetter. Nach dem Abendessen, bei dem vor lauter Erzählungen beinahe das Essen vergessen wurde, ging es für einige wieder ab ins Nachtleben, andere aber entschieden sich gemeinsam mit den Lehrern zum Circus Maximus zu begeben und von dort in den römischen Stadtteil Trastevere. Ein durch und durch typisch römischer Anblick: kleine verwinkelte Gassen, Brunnen, Obelisken und eine Café-Bar an der nächsten. Als sich die Schüler-Lehrer-Wege nach ein paar Stunden wieder zur Rückkehr zusammenfanden, hatten sich in manchen Augen die Obelisken verdoppelt, die Italiener waren noch schöner geworden und den Römern war beigebracht worden: „In Ulm stößt man auf „Fußpilz“ an“. Nach spannender, kurvenreicher Fahrt ging es ab ins Bett, dank dessen Thermo-Soft- Matratze wir uns alle wie 80 fühlten!

Am letzten Morgen bemühten wir uns standhaft, wiederum von Frau Dr. Langer geführt, in den Vatikanischen Museen nicht zu ersticken oder zertrampelt zu werden, und in der Sixtinischen Kapelle uns in zig Sprachen anzuhören, dass weder Videos noch Fotos erlaubt sind – an dieser Stelle ein Hoch auf die „Weltsprache“ Englisch!

Am letzten Nachmittag war es dann soweit: 40 modebewusste junge Frauen durften endlich die zahlreichen Läden Roms stürmen und versuchten nun, verzweifelt noch Geschenke und natürlich das zwanzigste ZARA Oberteil zu bekommen. Vom Wein über das Olivenöl zur Hose, Haarschmuck, italienische Fanta, Miniatur-Vespas und sogar die letzten Postkarten – alles wurde gekauft. Und nur widerwillig trafen wir uns zum letzten Abendessen in unserem Restaurant. Erst als wir den Bus gegen 21Uhr mit unseren Koffern (die plötzlich gar nicht mehr so leicht zu gingen) beladen hatten, realisierten wir – it’s time to say good bye.

Und so glitzerte doch die eine oder andere Träne in den Augen, als wir das dolce vita zurück lassen mussten, Rom verließen, Abschied nahmen von einer Stadt, die uns alle irgendwo tief im Herzen berührt hatte.

Man sagt Rom sei die Ewige Stadt, über der eine ganz besondere Magie liegt. Ob diese an den unzähligen antiken Gebäuden, der wunderschönen Kunst, der römischen Lebensmentalität oder den vielen geschichtlichen Ereignissen, an den Orten, die man zu kennen scheint und plötzlich am nächsten Tag völlig anders erscheinen, an den lauen Nächten oder gar den Hügeln liegt, das haben wir nicht heraus gefunden. Aber um sich verzaubern zu lassen und für einige Tage abzutauchen, Geschichte und Gegenwart vereint zu erleben und den eignen Blick für Vergangenes und Neues zu öffnen, ist der Ursprung dieses Zaubers auch nicht relevant.

ROM 2011 - das war eine wunderschöne Zeit mit tollen Leuten, die unsere dolce vita noch einmal richtig versüßt haben und den besten Lehrern, die wir uns für diese Fahrt hätten wünschen können. Sie haben uns nicht nur dank ihrer wirklich sehr guten Vorbereitung Rom näher gebracht, sondern auch ihre Freude an dieser Stadt weitergegeben und uns in unseren Wünschen sehr ernst genommen und die nötigen Freiheiten gelassen Rom so zu erleben, wie es für jede von uns optimal war. So werden wir alle wohl mit dieser Studienfahrt nicht nur 100 n. Chr. und 313 n. Chr., endlose Blasen und angeschwollene Füße, sondern vor allem eine wunderschöne Zeit in einer wunderschönen Stadt, die jede von uns ganz persönlich ein wenig anders erlebt hat, verbinden.

Julia Fleiner, JS 2



14.11.2012; 16:36:12 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 1781 mal angesehen.