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POL&IS – Create your own world!

2011_polis01_sw„Die UNO wurde nicht gegründet, um uns den Himmel zu bringen, sondern um uns vor der Hölle zu bewahren.“ (Sir Winston Churchill)

 

Mittwoch, 01.02.2012, 7.45 Uhr. An der Bushaltestelle Beyerstraße in Ulm macht sich der Bus des Heeresmusikkorps 10 auf den Weg nach Rot a. d. Rot. Im Innern befinden sich nicht etwa Soldaten des Militärmusikdienstes der Bundeswehr, sondern 40 gespannte Schülerinnen 2011_polis02_swund Schüler – darunter auch unser vierstündiger Gemeinschaftskundekurs der Jahrgangsstufe 2 und eine nicht weniger gespannte Frau Walz. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern des benachbarten Hans und Sophie Scholl-Gymnasiums hatten wir uns entschlossen, drei Tage lang an einer „POL&IS-Simulation“ teilzunehmen.

POL&IS ist die Abkürzung für Politik & internationale Sicherheit, wohinter sich eine von den Jugendoffizieren der Bundeswehr durchgeführte sicherheitspolitische Simulation verbirgt. Dabei finden sowohl politische, ökonomische als auch ökologische 2011_polis03_swAspekte internationaler Politik Berücksichtigung. Ausgehend von einer vorgegebenen politischen Situation werden die Teilnehmer, deren Handlungsoptionen sich aus ihren jeweiligen Rollen ergeben, in einer Art Planspiel aktiv. Sowohl die UNO, vertreten durch den Generalsekretär, als auch die Weltpresse, die Weltbank, diverse Nichtregierungsorganisationen sowie 10 Regionen (Nordamerika, Europa, Japan, Arabien, Russland, China, Südamerika, Indien, Südostasien, Afrika, Ozeanien) sind in der 2011_polis10_swSimulation abgebildet, wobei in den Regionen jeweils drei Minister (Regierungschef, Staatsminister, Wirtschaftsminister) für die innen- und außenpolitischen Handlungen verantwortlich sind. Durch einen Aufbau in Phasen und klare Aufgabentrennungen werden so in vereinfachter Weise die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abläufe der Welt nachgestellt.

Was sich zunächst ein wenig nach trockener politischer Theorie anhört, ist in Wirklichkeit eine fesselnde und unvorhersehbare Simulation, denn – auch wenn die 2011_polis06_swAusgangssituation der Länder vorgegeben wird – liegt es in der Hand der Teilnehmer, wie viel sie beispielsweise in Umwelt und Entwicklungshilfe, aber auch in Rüstung und ABC-Waffen investieren. Somit ist es kein Wunder, dass es auch in unserer Seminargruppe zu zahlreichen brenzligen, energiegeladenen und kuriosen Situationen kam:

 

1. POL&IS Jahr – Vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen tritt die neue UN-Generalsekretärin ihr Amt an. 2011_polis04_swWährend die meisten Nationen vorwiegend bemüht sind, ihren Rohstoffbedarf an der Börse zu decken oder Sicherheitsverträge mit anderen Regionen zu schließen, kündigen sich bereits erste Konfliktfelder an. Der arabische Staatsminister rüstet sein BC-Waffenarsenal drastisch auf; in Indien wird eine Atombombe ausfindig gemacht, deren Herkunft unbekannt ist. Derweil startet Amnesty International die erste große Protestaktion und rationiert das den Delegierten zugedachte Wasser auf ein Minimum, um auf das weltweite Trinkwasserproblem aufmerksam zu machen; 2011_polis07_swzudem werden Piraten vor der Küste Somalias gesichtet.

2. POL&IS Jahr – Hinsichtlich der weltweiten Entwicklungspolitik zeichnen sich erste Erfolge ab. Sowohl internationale Entwicklungshelfer als auch durch Amnesty International geführte Projekte ermöglichen den Bau von Schulen und Brunnen in Afrika, Südamerika, Südostasien und Indien. Auch die Piraterie vor dem Horn von Afrika kann durch einen gemeinsamen Diplomateneinsatz erfolgreich und ohne Blutvergießen bekämpft werden. Nichtsdestotrotz spitzt sich die 2011_polis09_swsicherheitspolitische Lage zu. Während durch die Weltpresse eine der amerikanischen Atomwaffen als gestohlen gemeldet wird, vollzieht sich in Arabien ein Putsch. Der arabische Staatsminister gewinnt das Militär für sich, stürzt den Regierungschef und ergreift selbst die Macht. Ein Einbruch in die Weltbank erschwert die Lage zusätzlich.

3. POL&IS Jahr – Eine Eskalation der globalen Konfliktlage scheint unausweichlich. Arabien stationiert sein gesamtes Waffenarsenal, darunter atomare, biologische und chemische 2011_polis08_swWaffen, in China vor der japanischen Küste beziehungsweise an der russischen Grenze. Glücklicherweise gelingt es dem Sicherheitsrat in letzter Sekunde eine Resolution aufzusetzen, die alle Konfliktparteien zum Abzug der ABC-Waffen sowie zur Wahrung des Friedens verpflichtet. Auch zahlreiche regionale Probleme wie der Atomausstieg in Europa, das auf Grund des übermäßigen Wodkakonsums überlastete Gesundheitssystem Russlands oder die Streiks der Ureinwohner Ozeaniens gelten als verbessert oder gar gelöst.

 

Alles in allem haben 40 Schüler und 2 Lehrer eine sicher 2011_polis05_swarbeitsintensive, aber ebenso ereignisreiche Zeit hinter sich, was nur möglich war, da sich ausnahmslos alle mit Begeisterung und Interesse an der POL&IS-Simulation beteiligt haben (was schließlich sogar so weit ging, dass selbst in den Pausen oder beim Essen über nichts anderes als Verträge, Industriegüter oder militärische Strategien diskutiert wurde…). Ein besonderer Dank gilt den beiden Jugendoffizieren Maximilian Vogel und Johannes Ehmann, die auch dann noch vor Gelassenheit strotzten, wenn sie dieselbe Frage bereits zum zehnten Mal hören mussten, sowie natürlich Frau Walz, die uns die Teilnahme an POL&IS erst ermöglicht hat.

Dass die UNO, wie sie schon Sir Winston Churchill definierte, wirklich dafür da ist, uns vor der Hölle zu bewahren, haben wir zweifellos in den vergangenen Tagen gelernt. Und auch wenn Arabien am Ende doch noch den weltweiten Dschihad ausrufen konnte und die Lehrer als mutmaßliche Bankräuber ausfindig gemacht wurden, gelang es uns andererseits, den Frieden zu wahren und Russland in die lupenreinste (!) Demokratie der Erde zu verwandeln. Vielleicht könnte es der Welt wirklich nicht schaden, wenn demnächst eine Frau den Vorsitz der Vereinten Nationen innehielte…

Verehrter Herr Generalsekretär Ban Ki-moon, 17 hoch qualifizierte Nachfolgerinnen stehen zur Verfügung!

 

Anja Kathrin Rueß, JS2



31.12.2012; 17:34:33 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 2651 mal angesehen.