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Ein Bus voller Möglichkeiten

Biolab in St. Hildegard

Die vierstündigen Biologiekurse der Klasse 13 sind zu Gast im mobilen Genlabor des Projektes „Biolab“ der Landesstiftung Baden-Württemberg.

Sechs Jahre lang tourt das „BioLab Baden-Württemberg on Tour — Forschung, Leben, Zukunft“ nun durch das Land und informiert Schülerinnen und Schüler über aktuelle Themen der modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie. Auch das Gymnasium St. Hildegard hat einen Besuch des Labors lange erwartet, dementsprechend groß ist die Freude und das Interesse an dieser Möglichkeit, praktische Erfahrungen in einem professionellen Umfeld zu machen.

Am Montag, den 30.11.2009 hielten die beiden projektbegleitenden Wissenschaftler Dr. Stephanie Würfl und Dr. Andreas Fehrenbacher bereits einen umfassenden Vortrag unter dem Titel „Lebenswissenschaften und Biotechnologie - Forschung und Anwendung, Chancen und Risiken“ für alle Schülerinnen der Kursstufen 12 und 13, die derzeit das Fach Biologie belegen. Im Anschluss entstand zwischen den Schülerinnen und den Biologen eine sehr angeregte und interessante Diskussion, insbesondere über die Risiken und Chancen der Gentechnik, aus dem wir alle viel zu unserer Meinungsbildung mitnehmen konnten.

An diesem ersten Dezember ist das Wetter äußerst ungemütlich, draußen regnet es, und die Temperaturen sind weit in den Keller gesunken, im Bus des Biolabs hingegen herrscht eine gemütliche Arbeitstemperatur.

Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung, Erklärungen für den Umgang mit den Laborgeräten und der Ausstattung mit Laborkitteln, Schutzbrillen und Handschuhen, sind wir schneller als erwartet fit für die Arbeit mit Präzisionspipetten und Zentrifugen. Wir isolieren genomische DNA aus eigenen Mundschleimhautzellen, und unter unseren Augen wird immer deutlicher, worauf unser ganzer Organismus aufbaut: Das einzigartige Rezept der DNA, ein klarer, geruchloser, gelartiger Tropfen auf dem Boden eines Kunststoffgefäßes. „Und was könnten wir jetzt damit anstellen?“, fragt Alessa (13 I), dreht das ‚Eppi‘ zwischen den Fingern, und wir versuchen uns auszumalen, wie viel Potential in den zwei Metern menschlichen Genoms steckt.

Im zweiten Experiment führen wir eine Agarose-Gelelektrophorese durch, mit Material aus einem echten Mordfall. Eine junge Frau wurde erwürgt in einem Waldstück aufgefunden, drei Täter kommen in Frage. Uns liegen aus Proben gewonnene DNA-Fragmente aus Speichel, Blut, Zigarettenkippen, Haar- und Hautresten, die unter den Fingernägeln der Ermordeten gefunden wurden, vor. Unter dem UV-Licht wird im Agarosegel ein DNA-Profil sichtbar, so können wir die Proben vergleichen und deren Ursprung identifizieren. Hat Anna K., kurz vor ihrer Ermordung, mit Thomas R. noch eine Zigarette geraucht? Ist er wirklich der Täter?

Dieser intensive Versuch brachte uns die Arbeit in der Kriminalistik nahe, ein wirklich packendes Beispiel angewandter Biotechnologie.

In Versuch Nummer 3 werden unsere eigenen DNA-Proben wieder verwendet. In einem Thermocycler (ein Gerät, das in der Lage ist, unsere Probe schnell zu erhitzen und abzukühlen, wie es für den Vorgang notwendig ist) wird der Abschnitt der DNA vervielfältigt, auf dem sich das ‚Rezept‘ für β-Globin befindet, ein Bestandteil des Blutfarbstoffes Hämoglobin. Das Gerät stellt nun zusätzlich die Menge an Genen fest. Bei allen hat es natürlich geklappt, und interessiert verfolgen wir die Ergebnisse am Computer.



16.11.2012; 14:59:33 Uhr - Dieser Artikel wurde bereits 1772 mal angesehen.